Impuls für Mittwoch, 05. August 2026
Losung
Gideon sprach zu dem Engel des HERRN: Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren?
Richter 6, 13
Lehrtext
Ihr werdet euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold.
1. Petrus 1, 6–7
Impuls für den Tag
Den Staub der harten Arbeit auf der Zunge, so steht Gideon da, als einer plötzlich aus dem Schatten der großen Eiche tritt und freundlich grüßt: „Der Herr sei mit dir, starker Held.“ sagt er. Und Gideon spuckt den Staub aus und fragt wie einer, der nichts mehr zu verlieren hat: „Wenn er mit uns ist – wo ist er dann? Wo war er, als unsere Altäre niederbrannten, als Menschen verschleppt wurden und das Brot knapp wurde? Ist das nicht ein Riss in der Welt, durch den Gott hindurchgreifen müsste? Weshalb tut er es dann nicht?“ Der Wanderer, der aus dem Schatten der Eiche trat, aber antwortet nur: „Geh in dieser deiner Kraft.“
Gideon wird danach noch erfahren, dass der Wanderer kein Geringerer als der Engel des Herrn selbst ist, durch den Gott mit ihm spricht. Und Gideon wird noch vielmehr mit Gott erleben. Aber mich fasziniert vor allem dieser Satz: „Geh in dieser deiner Kraft.“ Was ist denn diese Kraft? Ich ahne, es ist Trotz. Ein Trotz, der nicht akzeptiert, dass Gottes Abwesenheit ein Beweis gegen seine Existenz ist, sondern immer noch etwas von ihm erwartet, um dann vielleicht zu merken, dass Gottes Abwesenheit und Gottes Nähe denselben Ort bezeichnen – weil Gott nicht durch den Riss in der Welt hindurchgreift, sondern immer hineintritt, so dass ich ihn dort finden kann. Und wenn ich ihn finde, vielleicht die Erfahrung mache, dass ein Frieden einkehrt, der nicht die Abwesenheit von Leid, sondern die Gewissheit meint, dass Gott im Leid nicht abwesend ist. Und Gideon wird dort einen Altar bauen und diesen Ort nennen: „Der Herr ist Frieden.“
Sebastian Schirmer, Leipzig

