Impuls für Sonntag, 15. März 2026
Losung
Bei Gott steht die Kraft zu helfen und fallen zu lassen.
2. Chronik 25, 8
Lehrtext
Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge.
Matthäus 10, 29.31
Impuls für den Tag
Im Garten nebenan sehe ich meine Nachbarin. Sie hebt die Hände aus der Erde. Behutsam zieht sie das, was verdorrt ist, aus den Beeten; lässt sie, was welk geworden, als wolle sie sich dabei zugleich verabschieden, von Pracht und Ernte des Vorjahres, ehe dann das Neue grünt und blüht. „Man muss loslassen, sonst wächst nichts Neues“, sagte sie beiläufig in einem unserer Gespräche anderer Frühjahre. Als sie nun ein Bündel verdorrter Halme nimmt, sie zum Kompost bringt, die Hand öffnet und den Inhalt hinwirft, denke ich: Auch das Hände-öffnen ist eine Kunst.
Ich kenne das Andere gut: Das Festhalten – an Plänen, an Aufgaben, an Sorgen, als hinge alles an meiner Kraft. Doch Festhalten ist nicht immer auch Bewahren. Oft beginnt das Atmen erst dort, wo sich Hände öffnen; entsteht erst im Loslassen ein Raum für Veränderung und für das, was ich nicht machen kann.
„Bei Gott steht die Kraft zu helfen und fallen zu lassen.“ sagt die Losung. Und ich glaube: Es ist Gottes große Kraft, die das Leben trägt und ihm dient. Und auch mein Festhalten hilft manchmal, aber das Ziehen, Lösen und Loslassen meiner Nachbarin schafft zugleich neuen Raum für neues Leben. Beides entspringt aus Gottes Kraft. Diese Kraft, die weiter geht als mein Verstehen. Und die sich nicht erschöpft im offensichtlichen Helfen, sondern selbst im Fallenlassen groß ist. Ich sehe noch einmal die leeren Hände meiner Nachbarin. Nichts halten sie mehr. Und doch: Nun ist alles darin möglich.
Sebastian Schirmer, Leipzig

