Impuls für Donnerstag, 28. Mai 2026

Losung
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. (Hiob 19,25)

Lehrtext
Christus ist auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. (1.Korinther 15,20)

Impuls für den Tag
Im Dorf gibt es Gerede. Jemand trägt Gerüstbretter in die Kirche. Ein Mann mit Kittel und Hut dirigiert das Ganze. Der ist nicht von hier. So ein Künstlertyp. Gestern im Gasthof hat er in einer Ecke gesessen. Mit Papier und Stift hat er Menschen gezeichnet. Einige soll er gefragt haben, ob sie Modell stehen wollen.
Am Bogen zum Altarraum will er ein Wandgemälde schaffen. Die Arbeit geht voran.
Als die Gerüste wieder fallen, sind nur wenige begeistert. Viel zu modern für die altehrwürdige Kirche. Das passt nicht: der Soldat mit dem Stahlhelm nicht, die junge Frau im Sommerkleid nicht, der Landarbeiter mit offenem Hemd nicht. Erst recht nicht der halbnackte Jüngling im Vordergrund.
Die beiden Männer stehen vor der versammelten Gemeinde. Sie erklären das Gemälde. Es ist „der Jüngste Tag“ sagt der Pfarrer mit wichtiger Stimme und der Künstler beschreibt es genauer: die Engel, die Posaunen, die Menschen, Alpha und Omega. Er möchte damit ein Zeichen der Hoffnung setzen. Damit den Menschen deutlich wird, dass Jesus Christus auferstanden ist, auch für uns heute, für unsere Erlösung, ganz am Ende der Zeiten. Diese Hoffnung soll den Menschen immer vor Augen sein, wenn sie in der kleinen Dorfkirche in Gleisberg sitzen.
Das ist nun genau einhundert Jahre her. Die Botschaft des Bildes ist geblieben: Jesus ist auferstanden, er lebt, er ist mein Erlöser. Amen

Heiko Jadatz | Roßwein

Impuls für Mittwoch, 27. Mai 2026

Losung
HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?
2.Mose 15, 11

Lehrtext
Obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.
1.Korinther 8, 5-6

Impuls für den Tag
Seit Jahrtausenden glauben Menschen an Gott den Schöpfer aller Dinge.
Bei der Gesamttagung für Kirche mit Kindern in Siegburg wurde Heino Falcke gefragt was denn nun richtig sei: Glaube oder Wissenschaft.
Heino Falcke, selbst Christ und Schirmherr dieser Tagung ist Astrophysiker. Seine Antwort war klar: „Beides!“
Der Glaube ist das Fundament, das uns Sicherheit gibt in einer Welt, die in ihrer Komplexität kaum erklärbar und voller Geheimnisse und Unsicherheiten ist.
Die Wissenschaft geht den Geheimnissen unserer Welt auf den Grund, versucht Dinge und Zusammenhänge mit Fakten zu unterlegen und so für uns verständlich und nutzbar zu machen. Viele segensreiche Entdeckungen und Erfindungen haben wir ihr zu verdanken. Ob sie uns Menschen wirklich zum Segen oder eher zum Fluch werden hängt auch davon ab was wir damit machen.
Zugleich lehrt uns die Wissenschaft auch eine gewisse Demut. Eine Demut darüber, dass die Welt, die uns umgibt, bis hin in die fernsten Galaxien unser Denken und unsere Möglichkeiten noch weit übersteigt. Und dass jede neue Erkenntnis viele neue Geheimnisse und Fragen hervorbringt. Wie soll man sich darin zurechtfinden?
In dieser Welt mit all ihren Fragen und Wundern dürfen wir leben und forschen. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass dies alles das Werk des EINEN Gottes ist, der dabei den Überblick behält.

Angelika Schaffrin, Marbach

Impuls für Dienstag, 26. Mai 2026

Losung
Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge!
Psalm 97,10

Lehrtext
Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen!
1.Thessalonicher 5,14

Impuls für den Tag
Puh, manchmal macht’s einem die Bibel aber auch nicht leicht…. Was sollen wir denn nun: Das Böse hassen oder Geduld üben? Ist das nicht ein Widerspruch? Doch Moment: Einerseits ist es nötig, Gutes von Bösem unterscheiden zu können. Dazu brauchen wir den Heiligen Geist, dessen Ankunft wir gerade feiern. Andererseits sollen wir ja das Böse, nicht den Bösen hassen. Könnte man dann nicht mit denen, die sich im Argen verheddert haben, Mitleid und eben Geduld üben? Gar nicht so einfach: Geduld ist nicht gerade eine der angesagten Tugenden! Oder hören Sie was dazu in den Medien, in der Gesellschaft? Da macht sich eher massive Ungeduld breit. Aber stellen Sie sich mal die Welt vor, wenn wir alle ein bisschen Geduld miteinander hätten! Mit der genervten Verkäuferin, die Sie anherrscht, mit Ihren quengeligen Kindern, mit Beamten, die nicht auf Ihre Anfragen reagieren, mit Mitmenschen, die kein oder nur schlechtes Deutsch sprechen…. Wenn wir einfach mal unterstellen würden, dass auch diese, dass alle Menschen ihr Päckchen zu tragen haben, dass eventuell auch der absurdeste Politiker einer total indiskutablen Partei auch nur ein „kleines Würstchen“ ist, verfangen in seinem Machtgerangel?
Aber das macht ja eh keiner! Doch: Ich! Ich werde denen mal ein Lächeln schenken.
Und mir selbst auch.
Und wenn Sie mitmachen, dann sind wir schon mehrere! Das wäre ein guter Anfang…

Friedemann Neef, Roßwein

 

Impuls für Montag, 25. Mai 2026

Losung
PFINGSTMONTAG

Lehrtext
Mächtig waltet über uns seine Güte, und die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja.
Psalm 117, 2

Impuls für den Tag
Beda der Ehrwürdige war ein angelsächsischer Kirchenlehrer, der 735 n. Chr. starb. Seiner wird am 25. Mai gedacht. Dass Sie heute noch verstehen, was es bedeutet, wenn ich „n. Chr.“ schreibe, hat maßgeblich mit Beda zu tun. Denn er verwendet diese Zeitrechnung als erster konsequent in seinem Geschichtswerk über die Kirche der Angelsachsen und führte außerdem, in seinem Lehrbuch über die Zeitrechnung, die Zeit „vor Christus“ ein. So wurde es später am Hof Karls des Großen übernommen und etablierte sich in der ganzen westlichen Welt.
Was das mit der Losung zu tun hat?
Nun, ich glaube, es geht bei der Zeitrechnung „vor“ und „nach Christus“ um die Einordnung von Ereignissen in mehrfacher Hinsicht. Es geht darum, wie ich meine Zeit verstehe und mit wem meine Zeit und alle Zeiten verbunden sind. Sind es Jahre des Herrn – also: „anni Domini“ – oder sind es nur meine Jahre – also: „u. Z. / unsere Zeitrechnung“?
Ich kann mir gut vorstellen, dass die staunenden Hörer:innen des Sprachwunders am Pfingsttag mit dem Psalmbetenden eingestimmt hätten: „Mächtig waltet über uns seine Güte, und die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja.“ – und dann hätten sie allesamt wohl Beda dem Ehrwürdigen beipflichten wollen: Ich will in dieser, meiner Zeit nach Christus leben, denn es sind gewisslich Jahre des Herrn.
Mit dieser Erkenntnis wünsche ich einen begeisternden Pfingstmontag und sage für heute: „a.D.“

Sebastian Schirmer, Leipzig

 

Impuls für Sonntag, 24. Mai 2026

Losung
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Psalm 24,7

Lehrtext
Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist.
Apostelgeschichte 2,2.4

Impuls für den Tag
Beim Lesen von Losung und Lehrtext habe ich ein Wechselbad der Gefühle. Einmal werde ich zurückversetzt in den Advent, wo ich die Tore weit machen soll. Und dann kommt der Bezug zum Pfingstfest, wo die Jünger mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. Vielleicht hängt ja beides zusammen. Einmal die Einstellung, dass wir uns öffnen wollen. Und die Bereitschaft, Gottes Geist zu empfangen. Während uns zu Weihnachten und Ostern viele Karten oder Grüße von Freunden und Verwandten erreichen, gibt es zu Pfingsten weniger Grüße. Dabei ist es der Geburtstag der Kirche, das dritte große Fest der Christenheit. Warum gibt’s so wenige Grußkarten für dieses Fest des Heiligen Geistes? Fehlt’s etwa an Einfällen für die Textgestaltung? Das kann doch nicht so schwer sein: „Ein schönes Fest des Geistes!“, oder: „gute Pfingsttage!“ Vielleicht hängt’s aber auch an den Bildmotiven. Wie soll man denn etwas Unsichtbares wie den Geist Gottes bildlich auf die Karten bringen? Im Lehrtext wird von einem Brausen vom Himmel berichtet. Wie wär’s damit? Wenn wir in den nächsten Tagen jemanden ansprechen, einen, mit dem wir lange kein Wort gewechselt haben? Gelegenheit dazu wird sich finden, die rechten Worte auch und hoffentlich mehr als: „Schönes Wetter heute!“ Vielleicht sagen wir was Nettes? Was wird der Augen machen! In diesem Moment müsste man ein Foto machen, für die Pfingstkarte, unter dem Thema: „Zwei, die lange geschwiegen haben, reden wieder miteinander.“

Michael Tetzner, Frohburg

 

Impuls für Samstag, 23. Mai 2026

Losung
Gott tut große Dinge, die wir nicht begreifen.
[Hiob 37,5]

Lehrtext
Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
[Matthäus 5,45]

Impuls für den Tag
Unsere Losung ist aus der letzten Rede Elihus entnommen. Elihu spricht zu Hiob und lenkt den Blick auf Gottes Größe und Macht, die sich besonders in den Naturphänomenen zeigen. Er beschreibt eindrucksvoll, wie Gott durch Donner, Blitz, Schnee und Sturm wirkt, um seine Herrlichkeit zu offenbaren. Elihu betont, dass diese Naturgewalten nicht zufällig geschehen, sondern Gottes Weisheit und Willen unterliegen. Der Mensch ist angesichts dieser Macht klein und unfähig, Gottes Handeln vollständig zu verstehen. Elihu fordert Ehrfurcht und Demut vor dem Schöpfer und stellt klar, dass Gott gerecht handelt, auch wenn der Mensch sein Tun nicht immer begreift.

Von Hiob, der das sprichwörtliche dunkle Tal wie kein anderer durchschreiten musste, lernen wir, dass wir unsere Fragen und Klagen vor Gott bringen können. Aber Gott reagiert oft anders, als wir es erwarten und oftmals anders, als wir es uns wünschen.

Hiob wird an die Grenzen seines Denkens und Verstehens geführt. Der allmächtige Schöpfer muss dem ohnmächtigen Geschöpf nichts erklären. Verstehen können wir begrenzten Menschen den unbegrenzten Gott sowieso nicht. Aber immer wieder können wir seine unendliche Liebe und seine Fürsorge erfahren.
Amen.

Thomas Meyer, Roßwein

 

Impuls für Freitag, 22. Mai 2026

Losung
Der HERR ist dein Ruhm, und er ist dein Gott.
5.Mose 10,21

Lehrtext
Er selbst, der Vater, hat euch lieb.
Johannes 16,27

Impuls für den Tag
„Wir fahren nach Berlin“ so klangen die Sprechchöre in den Stadien vor einiger Zeit bei den Fußballfans von Bayern München und dem VfB Stuttgart. Und morgen ist es soweit: Das Finale des DFB-Pokals wird ausgespielt und danach hält eine Mannschaft den großen goldenen Kelch, den DFB-Pokal in den Händen. Mit großem Ruhm und viel Geld ist diese Trophäe versehen. Eine Saison lang haben die Mannschaften das Finale im Blick gehabt, am Ende viel Energie hineingelegt. Aber den Ruhm trägt nur eine Mannschaft davon.
Ruhm für alle gäbe es von Gott, sagt uns der Vers aus dem Alten Testament. Das alte Volk Israel rühmt sich seines Gottes. Und zwar deshalb, weil er viel für dieses Volk getan hat. Er hat die Menschen aus der Sklaverei befreit. Er hat ihnen ein Leben in Freiheit geschenkt. So sehen sie auf die Wüstenwanderung zurück und schauen auf einen Gott, der seinem Volk Ruhm und Ehre verleiht.
Wofür rühmen wir uns? Für unsere Leistungen? Für unsere Siege und Erfolge im Leben? Für Christen soll es die Ehre ihres Lebens sein, dass sie sich durch Jesus Kinder Gottes nennen dürfen. Das ist mehr als jeder noch so faszinierende Pokalsieg oder jeder Erfolg in einem Leben. Das ist Ruhm und Gnade zugleich.

Michael Karwounopoulos, Bad Urach

 

Impuls für Donnerstag, 21. Mai 2026

Losung
Lobet Gott für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!
Psalm 150,2

Lehrtext
Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
Kolosser 3,16

Impuls für den Tag
Gott, ich lobe deine Taten.
Und deine große Herrlichkeit.
Ich lobe das Große und Starke und Mächtige deines Wesens, das mir in Momenten der Schwachheit, der Sorge und der gefühlten Machtlosigkeit Hoffnung ist.
Ich lobe das Friedliche und Gerechte deines Wesens, das meine Wut und mein Unverständnis mildert und Veränderung verspricht.
Ich lobe die Zärtlichkeit und Sanftheit, die liebevolle Zuwendung deines Wesens, die meiner Trauer Raum geben, mich wie ein Mantel umhüllen und mir Trost zusprechen.
Ich lobe die Unergründlichkeit deines Wesens, das Gegensätze vereint.
Ich lobe das Komplizierte, das Ambivalente, das Streitbare deines Wesens, das Glauben erst so richtig spannend macht.
Ich lobe deine Kraft und deine Verletzlichkeit.
Deine Zuversicht und deine Angst.
Ich lobe deinen Mut und deine Mutlosigkeit.
Deine Göttlichkeit und deine Menschlichkeit.
Vor allem lobe ich die Seiten an dir, die die Grundfesten meines Glaubens bestimmen.
Deinen Blick, der niemanden übersieht.
Dein Versprechen, immer bei mir zu sein.

von Christian Creutz aus Rostock

 

Impuls für Mittwoch, 20. Mai 2026

Losung
Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für.
Psalm 89,2.

Lehrtext
Die Jünger zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.
Markus 16,20

Impuls für den Tag
Mit dem Singen ist das so eine Sache!
Die einen singen sehr gerne, auch im Chor oder beim Saubermachen- die anderen können mit Musik gar nichts anfangen und bekamen schon von klein auf gesagt, dass sie nicht singen können. Aber Singen von Gott im Gottesdienst oder im Alltag ist oft eine Form von Gebet, die über Worte hinaus geht!
Lieder können fröhliche Tage begleiten oder in Momenten von Sorgen Mut machen. Und das Beste: Gemeinsames Singen verbindet Menschen und lässt sie eine gemeinsame Verbundenheit zu Gott spüren.
Aber was nun, wenn man wirklich nicht singen kann?
Ein junger Mönch lebte in einem Kloster mit alten Mönchen zusammen und der Gesang war eher abschreckend schief als einladend himmlisch! „Wir singen so schief“, klagte er beim Abt. „Gott muss sich doch die Ohren zuhalten, wenn wir versuchen, ein Loblied zu singen.“Der alte Abt lächelte nur mild. „Glaubst du, mein Sohn, dass Gott nur auf die Töne achtet?“
Als Weihnachten kam und es besonders festlich klingen sollte, war er den Tränen nahe. Nach dem Gottesdienst saß er traurig in der Kapelle, als er plötzlich eine Stimme hörte – eine Stimme, die nicht von dieser Welt zu sein schien. Sie ein Lied von unendlicher Schönheit. Er sah sich um. Er war allein. Aber der Gesang kam nicht aus der Luft, er schien aus den alten, kalten Steinmauern zu kommen, aus den Balken, aus dem Boden.“Wer singt da?“ flüsterte Lukas erschrocken.“Wir singen nicht“, erklang eine Stimme in seinem Herzen. „Aber wir klingen, weil eure Herzen mitgesungen haben.“In diesem Moment verstand er. Die Mönche hatten nicht mit der Stimme gesungen, sondern mit ihrer Liebe, ihrer Hingabe und ihrer Ehrlichkeit.
Gott braucht keinen perfekten Klang, nur die Schwingung der Liebe. Von jetzt an sang er nicht mehr für die Ohren der Menschen, sondern aus der Tiefe seines Herzens. Das kann uns Mut machen für den heutigen Tag!

Claudia Tetzner, Frohburg

 

Impuls für Dienstag, 19. Mai 2026

Losung
HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.
Jesaja 64,7

Lehrtext
Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht etwa ein Werk zu seinem Meister: Warum hast du mich so gemacht?
Römer 9,20

Impuls für den Tag
Vor mehr als einhundert Jahren wurde die englische Gemeinde West Stanley von einem schweren Unglück heimgesucht. Ein Bergwerksstollen brach ein und kostete vielen der Grubenarbeiter das Leben.
Man bat den Bischof von Durham tröstende Worte an die Angehörigen zu richten.
Der Bischof stellte sich an den Eingang des Bergwerkes und sagte: „Es fällt uns schwer zu verstehen, warum unser HERR ein so schlimmes Unglück zulassen konnte. Aber wir kennen ihn und vertrauen darauf, dass alles gut werden wird.
In meinem Besitz“, fuhr er fort, „befindet sich ein Lesezeichen, das mir meine Mutter geschenkt hat. Es ist mit Seide bestickt. Wenn ich es von der falschen Seite betrachte, sehe ich nur ein Durcheinander von Fäden, die sich wirr überkreuzen. Es sieht aus, als sei ein Missgeschick passiert. Als hätte eine Person das Lesezeichen hergestellt, die nicht wusste, was sie tat. Aber wenn ich es richtig herum drehe, lese ich in kunstvollen Lettern: ,GOTT IST LIEBE‘. Wir stehen heute hier“, verkündete der Bischof, „und sehen die Dinge von der falschen Seite. Eines Tages werden wir einen anderen Blickwinkel haben. Und dann werden wir es verstehen.“(nach Max Lucado, Schön, dass es dich gibt, Wetzlar 2015)

Renate Henke, Meißen