Impuls für Freitag, 28. August 2026
Losung
HERR, führe meine Sache und erlöse mich; erquicke mich durch dein Wort.
Psalm 119,154
Lehrtext
Jesus sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde. Matthäus 9,22
Impuls für den Tag
„Führe meine Sache“ — das bedeutet im Hebräischen einen Rechtsstreit führen. Gott wird als Verteidiger oder als Richter selbst angerufen. Ich denke, jedem von uns ist schon einmal größeres oder kleineres Unrecht begegnet. Ich bin ein Mensch, dem das Gerechtigkeitsempfinden wichtig ist. Bei schon einigen Ungerechtigkeiten dachte ich dann Dinge wie: „Das ist doch so offensichtlich! Nein, das kann unmöglich so stehen bleiben!“ … Wie gut wäre es dann, wenn einem einer beispringt, die Sache aufgreift und zu einem guten, gerechten Ende führt; wenn dieser jemand mit einer höheren Autorität auftritt, der niemand mehr widersprechen kann. Leider warten wir auf diese Intervention manchmal lange. Und bei Geschichten von Tolstoi zum Beispiel wirkt es fast so, als würde Gerechtigkeit erst nach dem Tode hergestellt. Die Losung regt mich zu zwei Gedanken darüber an: Erstens bringt der Psalm diese Not im Gebet vor Gott und bittet um Gerechtigkeit, genauso aber auch um inneren Trost. Zweitens: Wenn Gottes Gerechtigkeit dann kommt, sind wir oft überrascht, weil diese ganz anders aussehen kann als wir dachten. So zum Beispiel bei der Heilung der Frau. Sie handelt nach den Regeln ihrer Zeit zumindest äußerlich unrecht. Und Jesus, der heilt sie. Vielleicht waren in der Menge ja auch Leute, die sich an die Sitten gehalten haben, was ist aus denen geworden? Ist das gerecht? Jesus findet schon, er hatte wohl einen anderen Maßstab als wir…
Jonathan Seidel, Moosheim

